Die Grundaufgabe der Hundeerziehung ist, 
den Hund das Lernen zu lehren.

Retriever-Früherziehung bis zum 
Ende der 20. Woche

1. Die Baby- und Kindergartenzeit bis zum Ende der 11. Woche

In dieser Zeit werden zwei Ziele erreicht: 
Der Hund wird ein guter Familienhund und gleichzeitig zum Jagdhund ausgebildet. Er versteht die Grundkommandos SITZ, BLEIB und HIER, sowohl mit Stimme als mit Pfeife und er lernt, daß Apportieren das Beste auf der ganzen Welt ist.
Zeitaufwand: Man braucht dazu täglich etwa 10 Minuten Lehrzeit und 5 Minuten zur Wiederholung.

Woche 1 bis 8:
Der junge Hund ist beim Züchter in der Wohnung und hat ständigen Kontakt zur Familie, erlebt Besuch, lernt viele Menschen kennen, spielt mit den Geschwistern, erlebt seine Umwelt, hört alle möglichen Geräusche und lernt diese häusliche Umgebung als seinen Lebensbereich kennen.
In der 7. Woche gibt es bereits eine festgelegte Rangordnung im Wurf. Es kann der Campbell-Test durchgeführt werden. (Was das ist, werde ich später einmal erläutern.)  Dieser Test bewährt sich aber bei Labrador oder Golden nicht besonders gut. Es gibt immer unterschiedliche Ergebnisse, je nach Tagesform.
Das Ende der 7. Woche sei (nach Wolters) der beste Zeitpunkt zur Abholung des Hundes aus dem Wurf. Es ist eine reine Spielwoche. Es wird keinerlei Druck auf den Hund ausgeübt. Der menschliche Lehrer tritt an die Stelle der Mutterhündin.

Woche 9: 57. bis 63. Tag:
Woche der Spielzeit für alle. Erste Kommandos werden eingeführt, aber nicht durchgesetzt.
Ein mit Lumpen gefüllter alter Socken ist Apportierübespielzeug. Immer werfen und in die Hand zurückbringen lassen. Loben !!! Gleich wieder werfen als Belohnung. Dummy soll in die Hand abgegeben werden. Immer sofort wieder werfen. Der Hund soll nicht lernen, dass ihm etwas weggenommen wird, sondern dass es neu geworfen wird, wenn er es in die Hand abgibt. Aber es gibt keinen Zwang.
Nie mit Seilen, Stöcken, Bällen zerren oder spielen. Immer Dummies verwenden. Verknotetes Seil zum Kauen.
Der Hund kann in dieser Woche seinen Namen lernen.

Belohnungen: Belohnen Sie Ihren Hund mit Lob und Leckerchen. Am besten kann sein, wenn Sie ihm bei der "Arbeit" als Belohnung sein Fressen geben. Falls Sie Leckerein vorziehen, sollten Sie diese bei der Gabe des Futters berücksichtigen

Woche 10 und 11: 64. bis 77. Tag:
Ab jetzt wird schon die Bedeutung von SITZ und BLEIB und HIER geübt. Die Kommandos werden immer wieder an der richtigen Stelle benutzt, aber die Ausführung wird nicht verlangt. Verlangt wird erst später. Alles ist noch Spiel. Die Pfeife soll ab jetzt eingesetzt werden: Beispielsweise zuerst den NAMEN, dann SITZ, dann ein PFIFF.Begonnen wird mit SITZ. Danach wird BLEIB geübt. Zum Apportieren wird das Kommando VORAN eingeführt.
Alle Kommandos werden gesprochen, es werden Handzeichen eingeführt und auch gepfiffen. Ob jemand für diese Kommandos andere Begriffe benutzt, die vermeintlich weniger nach Kommandosprache klingen, ist völlig gleichgültig. Den Hund interessiert nicht, welches Wort jemand sagt. Hauptsache ist nur, dass er lernt, mit einem bestimmten Wort eine bestimmte Handlung zu verbinden. Die Verwendung allgemein bekannter Hundeerziehungskommandos erleichtert jedoch enorm die Erziehung, wenn diese einmal von jemand anderem ausgeführt werden soll. Der Hund wird diesen verstehen, ohne dass Sie dieser fremden Person eine von Ihnen selbst zusammengestellte Kommandoliste mitgeben müssen.

Handzeichen-Sprache:
Die wichtigsten Hundeerziehungskommandos sind mit Handzeichen darstellbar.

erhobene Hand in Brusthöhe  SITZ
erhobene Hand über dem Kopf VORAN
flache Hand waagerecht in Bauchhöhe PLATZ
flache Hand senkrecht BLEIB

Pfeifensprache:
Die wichtigsten Hundeerziehungskommandos sind mit Pfeife darstellbar. Die hier verwendeten Pfeifenkommandos sind jedoch gegenüber Wolters modifiziert und teilweise den üblichen deutschen Pfeifenkommandos angepasst. In der "normalen" deutschen Retrieverausbildung wird jedoch noch anders gepfiffen.

Ein Pfiff glatt SITZ
Zwei Pfiffe glatt VORAN
Terzpfiff HIER
Trillerpfeife PLATZ

Apportieren üben:
Mit Dummies spielen und apportieren üben. Kommando: APPORT. Aussenden mit VORAN. Beim Herankommen TERZPFIFF verwenden. Nichts hartes apportieren lassen. Einen Vogel zum Apportieren benutzen oder andere Wildteile, die man bekommen kann. Kommando HALTEN beibringen, wenn Apportierleidenschaft gut entwickelt ist.
Keine Zerrspiele, auch nicht mit Seil !!!! Der Hund kann dadurch "hartmäulig" werden und apportierte Gegenstände "zerknautschen". Sie erhalten dann später Entenfrikassee gereicht. 

Das Kommando HIER kann bereits geübt werden. Voraussetzung ist, daß SITZ und BLEIB funktionieren. Am Schluss dieser Frühausbildung sollten Sie Kommandos geben, wenn der Hund es am wenigsten erwartet. SITZ beim Herumtollen oder beim Durchstöbern der Büsche. Arbeiten Sie mit der Pfeife. Üben Sie vor dem Fressen SITZ. 

Der Hund muss ab jetzt für sein Fressen "arbeiten".

2. Die Schulzeit von der 12. bis zum Ende der 20. Woche.

Woche 12 bis 13: 78. bis 91. Tag:
Grundkommandos festigen. Apportieren üben wie gehabt. Durch Wiederholung werden alle Lektionen verankert und zunehmend schwieriger. Langsam verwendet man in Stimme und Pfeife einen strengeren Ton. Es wird aber in dieser frühen Zeit nie geschrien. (Später werden Sie Ihrem Hund schon mal laut und deutlich die Meinung sagen müssen.) Man beginnt, das Gewünschte vom Hund zu verlangen und bittet ihn nicht darum. Es gibt keine Strafe für den Hund.
Die Spielzeit findet immer in einer anderen Tonlage als die Arbeitszeit statt. Wenn man etwas vom Hund verlangt, merkt er es an der Stimmlage.

Kommandos wieder aufheben
Jedes Kommando muss auch wieder aufgehoben werden! Wenn Ihr Hund z.B. nicht mehr sitzen muss, sollen Sie das Kommando z.B. durch "lauf" oder Ähnliches aufheben.

Belohnungen
Sind Kommandos fest verankert, werden also immer richtig ausgeführt, kann man mit dem Loben und den Leckereien aufhören bzw. es sehr begrenzen. Der Retriever erhält seine Belohnung durch die Freude an der Arbeit. Dieser Grundsatz wird aber auch von uns selbst nicht durchgehalten. Wenn der Hund etwas gut macht, erhält er immer seine Belohnung. Diese besteht häufig genug aus seinem ganz normalen Fressen, das er unterwegs bei der Arbeit erhält. 

Problem des Lobens
Manche Hunde glauben, dass durch Lob ein Kommando wieder aufgehoben wird. Man sollte es testen. Wenn der Hund meint, aufstehen zu dürfen, wenn man ihn dafür lobt, dass er sich so schön hingesetzt hat, muss man mit dem Lob anders umgehen. Lob kann ihn aus dem Gleichgewicht bringen und jedes Kommando aufheben.

Woche 14: 92. bis 98. Tag:
Das Kommando FUSS kann eingeführt und geübt werden.

Woche 15: 99. bis 105. Tag:
Es wird immer schwieriger. Während der nächsten 4 Wochen lernt der Hund aber nichts Neues. 

Woche 16: 106. bis 112. Tag:
Halbstarker Hund. Das kommt zu dieser Zeit bei allen Hunden vor. Er ist in der Pubertät. Er ist dickköpfig, aber das geht vorbei. Erziehung am besten aussetzen, bis er wieder normal ist.

Woche 17: 113. bis 119. Tag:
Ziel bis zur 20. Woche: Ehe der Hund 20 Wochen alt ist soll er zu Land wie zu Wasser, auf jede Entfernung, in die man werfen kann, das Dummy apportieren.

Woche 18: 120. bis 126. Tag:
Gehorsamsübung: Vor dem Fressen SITZ, ein paar Sekunden warten, auf VORAN kann gefressen werden. Der Hund kann beim Fressen eingewiesen werden.

Woche 19: 127. bis 133. Tag:
Kann man schon ins Wasser gehen?

Woche 20: 134. bis 140. Tag:
Im Wasser apportieren lernen.

Die Jagdausbildung beginnt