Jagdausbildung
ab der 21. Woche 

Fortsetzung des Übungsprogramms

Allgemeine Jagdausbildung

Lebenslanges Üben
Hundeausbildung und die Förderung jagdlicher Fähigkeiten müssen während des ganzen Hundelebens fortgesetzt werden. Darüber sollte man sich klar sein, bevor man mit der jagdlichen Ausbildung beginnt. Der Hund, der nicht übt, verliert seine Fähigkeiten schnell.

Voraussetzungen
Was wurde bisher erreicht?
Wir haben einen zufriedenen, fröhlichen und ausgeglichenen Hund, er kennt SITZ, BLEIB, HIER als Pfeife und Kommando. FUSS klappt auch schon ganz gut. Wenn er in der Nähe ist und keine besonders starke Ablenkung hat, befolgt er die Kommandos schon recht zuverlässig. Er liebt es sehr, zu apportieren und schleppt andauernd etwas durch die Gegend. Das Dummy ist ein wichtiger Teil seines Lebens geworden. Der Hund ist ziemlich selbstbewußt, hat kaum vor irgend etwas Angst, hat schon viele Erfahrungen in der Welt gemacht.



Er schwimmt schon sehr gut, würde sich weit ins Wasser schicken lassen, um ein Dummy zu holen. Frische Spuren verfolgt er konzentriert und zielstrebig, wenn auch das Ausgeben von Vögeln noch nicht besonders gut klappt.

Der Hund hat gelernt, dass Lernen Spaß macht.

Land- oder Wasserjagd
Zur Jagdhundeausbildung muss jetzt eine Entscheidung über die wesentlichen Ziele gefällt werden. Soll der Hund für die Land- oder die Wasserjagd ausgebildet werden? Beide Jagdarten stellen unterschiedliche Anforderungen.
Bei der Wasserjagd lernt der Hund, nie ohne Beute zurückzukommen. Bei der Landjagd schicken wir den Hund in ein Unterholz, in dem vielleicht ein Wild zu finden ist. Dabei kommt er ohne Wild wieder heraus. Der Hund muss lernen, was man von ihm erwartet. Für beide Jagdarten gibt es verschiedene Kommandos. Wenn man für beide Jagdarten ausbilden will, sollte der junge Hund zunächst auf die Wasserjagd eingestellt werden. Die Wasserarbeit erfordert nämlich sehr viel mehr Genauigkeit.

Der Einzelapport
Der Hund soll immer mehr seine Nase benutzen. Die Apportierstrecke wird immer länger, das Dummy wird in immer unübersichtlicheres Gelände geworfen. Die Fähigkeit, den Fall richtig zu beobachten steigert sich genauso wie die Nasenleistung.
Niemals sollte man dem Hund erlauben, die Suche aufzugeben. Immer muss man ihm helfen, das Dummy zu finden. Wenn der Hund das Dummy nicht findet, ist man selbst nicht geschickt genug, es ihm richtig zu zeigen. Niemals hat der Hund die Schuld.
Die Apportierstrecke wird verlängert. Dazu kann ein Helfer gut sein. Besser ist eine Dummy-Schleuder.

Zwei Gebote:
- Der Hund darf die Suche nie aufgeben.
- Der Hund soll den Bereich, in den das Dummy gefallen ist, nicht verlassen.

Nach Misserfolg muss man zusammen mit dem Hund die Übung richtig durchführen und dann wiederholen. Das wird wiederholt, bis der Hund weiß, was man von ihm verlangt.

Lockenten
Ein paar Lockenten kann man zunächst an Land aufbauen und den Hund dazwischen Dummies apportieren lassen. Später das gleiche im Wasser wiederholen

Boot fahren
Apportierübungen vom Boot aus.

Lebende Vögel?
Wolters  empfiehlt die Übung mit lebenden Vögeln, die so apportiert werden sollen, dass ihnen körperlich nichts geschieht. Er benutzt lebendige Tauben, deren Flügel gestutzt sind. Er hat aber auch mit lebenden Fasanen, Enten u.a. geübt, die zu diesen Zwecken bei der Übung abgeschossen wurden.  Abgesehen von ethischen Fragen auch problematisch aus der Sicht des Tierschutzrechtes und insofern fraglich, ob überhaupt in Deutschland rechtlich möglich. Wir verwenden keine lebenden Tiere für die Jagdausbildung.

Hund unter ein Tuch ablegen
Damit der Hund - etwa im Winter oder zu bestimmten Jagden - gedeckt abgelegt werden kann, soll er frühzeitig daran gewöhnt werden unter einer Decke zu liegen. Das kann z.B. unter dem Hochsitz erforderlich werden.

Schußruhe
Stets muß die Schußfestigkeit trainiert werden.

Jagd zu Land
Die Jagd zu Land sollte teilweise grundsätzlich erst geübt werden, wenn die Jagd zu Wasser nahezu fehlerlos ist. Herr Wolters empfiehlt, damit bis zu etwa dem Alter von einem Jahr zu warten.

Jagdkommandos einführen
siehe bei -> Kommandos

Arbeit am Schweißriemen auf Schleppe und Schweißspur
Nasentraining kann man frühzeitig üben. Schleppspuren oder auch künstliche Schweißfährten kann man ab etwa einem halben Jahr wöchentlich legen. Die Schwierigkeit wird dabei immer weiter gesteigert. Die Schleppspur kann mit inneren Organen gelegt werden (Lunge, Milz, Pansen) oder anderen Teilen des Tierkörpers. Die Länge der Spur wird allmählich auf 1000 bis 2000 Meter gesteigert. Zunehmend werden Windungen und Haken eingebaut. Die Menge des Schweißes wird ständig verringert. Ein viertel Liter, der Anfangs für 100 Meter reichte, soll später für 1000 Meter genügen.

Beim Üben verlängern wir vor allem die "Stehzeit" der Spur. Anfangs steht die Fährte nur kurze Zeit, später wird es eine Übernachtfährte, vielleicht noch eine bis zu 24 Stunden alte Fährte. Damit sind wahrscheinlich die Grenzen des Spurwillens des Golden Retriever erreicht. Andere Hunderassen können auch noch eine bis zu 40 Stunden alte Fährte aufnehmen und verfolgen. Dazu kommen unterschiedlich starke Schwierigkeiten durch Wetter, Gelände, Verleitungen durch frische Wildspuren oder Fährten. Diese Probleme werden in die gelegten Fährten absichtlich eingebaut und schrittweise gesteigert.

Auf den Hund kann in verschiedener Weise eingewirkt werden, wenn er unsicher wird. So kann man ihn z.B. ablegen, von der Fährte abtragen, um sie am nächsten Morgen wieder aufzunehmen. Wenn der Hund nicht weiterfindet, kann man zum zuletzt gefunden Schweiß zurückgehen. Oder wir versuchen, bogenschlagend den Fortgang der Fährte zu finden. Wir können vorgreifen, um in der vermuteten Richtung die Fortsetzung der Schweißfährte  zu finden oder ein Hindernis, z.B. eine Dickung umschlagen, um festzustellen, ob die Fährte wieder herausführt. Da wir den Verlauf der Fährte genau kennen, können wir uns das jeweilige Verhalten des Hundes genau einprägen, können entsprechend auf ihn einwirken und ihn an unsere Hilfe gewöhnen.

Wenn wir unserer Sache sicher sind, können wir Spuren von Hilfspersonen legen lassen, deren Verlauf wir nicht kennen. Bei Bedarf korrigiert uns der fährtenkundige Begleiter. Die Fährtenarbeit kann nur durch ständige Übung zu dem notwendigen Vertrauen und eingespielten Verhalten des Gespanns führen, welches zum Erfolg führt.

Wenn der Hund erst einmal schwierigere Aufgaben beherrscht (z.B. 1000 Meter mit 1/4 Liter Schweiß auf einer Übernachtfährte) sollte man ihn keine wesentlich leichteren Aufgaben mehr erledigen lassen. Er würde dadurch wieder in unkonzentrierte Hast verfallen.

Die ersten echten Aufgaben sollten unbedingt sichere Totsuchen sein, jedoch nicht auf frischer Fährte, sondern auf mindestens 5 Stunden alter Fährte, am besten auf einer Übernachtfährte. Der Hund muß auf jeden Fall Erfolg haben.

Führen zum Wild
kann verschieden erfolgen. Es gibt Totverbeller oder Totverweiser. Retriever snd wegen ihrer schwach entwickelten Bellfreudigkeit kaum als Totverbeller auzubilden. Totverweisung kann ihnen beigebracht werden. Allerdings ist dies bei ausschließlicher Riemenarbeit nicht erforderlich.

Quersuche, Stöbern
Auf jeder Art Feld oder Wiese kann geübt werden. Zunächst geht man mit dem Hund die Zickzackspur, die er später alleine zurückzulegen hat. Man schickt den Hund mit dem Kommando REVIER voran und geht z.B. zunächst nach rechts. Am rechten Rand angekommen, folgt das Kommando REVIER erneut, gefolgt von NEUE RICHTUNG. Man selbst wechselt auch die Richtung und geht mit dem Arm schlenkernd nach links. Hat der Hund  begriffen, worum es geht, geht man selbst die Seitwärtsbewegung immer weniger mit und deutet den Richtungswechsel nur noch an.
Der Hund muß unbedingt immer im Bereich der Schußweite der Büchse bleiben. Deshalb ist das Befolgen des Kommandos HIER oder des entsprechenden Pfiffes sehr wichtig.

Wildruhe
Auf sichtiges Wild darf der Hund niemals gehetzt werden. Stets muß Gehorsam und Ruhe verlangs werden.

Gehorsamsübungen auf Distanz
Pfeifensignale auf immer größere Entfernung und unter zunehmender Ablenkung müssen befolgt werden. Ziel: Der Hund muß auch bei starken Verleitungen (z.B. beim Apportieren von Wild oder auf einer Fährte) zu stoppen und weiter zu schicken sein. Gelingt das nicht mit "SITZ"-Pfiff, so muß auf "DOWN" reagiert werden.

Kommandos für die Landjagd

REVIER
verwenden wir, um einen Hund loszuschicken und ein vor ihm liegendes Gelände zu durchstöbern. Handzeichen: Schwenken des Arms, der die Richtung anzeigt.

ANDERE SEITE
wird benutzt, um den Hund zu wenden, um in eine andere Richtung zu stöbern. Armsignal ist eine schwingende Bewegung des Arms nach rechts oder links, in die neue Richtung.

VORAN
soll den Hund in die Dickung schicken, um dort nach Wild zu stöbern. Armsignal in die richtige Richtung. (Zwei Pfiffe.)

HIER
wird verwendet, damit der Hund wieder in den Flintenbereich zurückkommt. (Terzpfiff.)

STOP
wird verwendet, wenn der Hund Wild aufgestöbert hat, damit er stehen bleibt. (Ein Pfiff.)